Der Freiheiter

Meinungen zu Politik, Freiheit und Unwichtigerem

“Grüß Gott”-Verbot-Propaganda

Erstellt von Charley Collins am 1. Januar 2010

Frisch zum neuen Jahr haben die rechtspopulistischen Kreise wieder mal ein rafiniertes Virus-Mail (Hoax in der Fachsprache) lanzieren können.

Erstaunlich, dass es immer wieder auch seriöse Blogger erwischt, Informationen ungeprüft zu übernehmen. So wird im Artikel “Offener Brief zum Grüß-Gott-Verbot” vom Blog SideEffects ein Brief veröffentlicht, der angeblich von einer jungen Lehrerin in der Schweiz sei, die dem Author namentlich bekannt sei.

Im Brief wird behauptet, in den Volkschulen der Schweiz sei es verboten, einander Grüss-Gott zu sagen, weil  das die muslimischen Mitschüler beleidigen könnte. Anschliessend wird wieder mal eine rechtspopulistische Schmährede im Sinne “wenn es Euch nicht passt könnt ihr ja gehen”.

Dass dieser Brief mit grösster Wahrscheinlichkeit keine Meinung, sondern reine Propaganda und Stimmungsmache ist, lässt sich aus verschiedenen Punkten schliessen:

  1. Im Dezember 2007 ging in Linz, Österreich das Gerücht herum, “Grüss Gott” sagen sein in der Schule verboten worden.
  2. Auf der Seite Kreuz.net war eine entsprechende Falschmeldung vorhanden, die in allen anderen Artikeln zitiert wurde.
  3. Im Brief der besagten “Schweizerin” wurde die Stelle einfach aus der Falschmeldung herauskopiert und übernommen.
  4. Die “Lehrerin” hat sich nicht mal die Mühe gemacht, den Ausdruck “Grüß Gott” zu helvetisieren. Auf jeder schweizerischen Tastatur ist das scharfe ß gar nicht zu finden!
  5. Der Brief wurde im August schon auf dem Frauenblog veröffentlicht, seinerzeit aber mit österreichischen statt schweizerischen Schulen!
  6. Und zu guter Letzt: Der grösste Teil des Briefes wurde schon im August 2007 wortwörtlich im Artikel Einwanderer, nicht Australier, sollen sich anpassen veröffentlicht.

Mit wenigen Google-Suchen liess sich dieser Sachverhalt herausfinden. Wieso wird dieser “Brief” von vielen Bloggern einfach so übernommen. Laut Google wurde er schon 23 mal ins Netz gestellt. Oft sind es Foren, in die der Brief eingeschleust wurde. Scheinbar wurde dieser “Brief” gezielt verbreitet. “Seeding” nennt man dies in der Sprache des Virus-Marketing.

Es sehr einfach, solche Propaganda zu verbreiten, wenn jeder sie unkontrolliert übernimmt!

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